Nur die Fertigkeit, sich bei einem jeden Vorfalle schnell
bis zu allgemeinen Grundwahrheiten zu erheben, nur diese
bildet den großen Geist, den wahren Helden in der Tugend und
den Erfinder in Wissenschaft und Künsten.

(G. E. Lessing)

Medienkritik

Was nottut!

In der Diskussion zu dem >> SZ-Artikel »Sind Waldorfschulen ein Verstoß gegen das Grundgesetz?« (Siehe auch meinen >> vorherigen Eintrag) hat eine Auseinandersetzung zu der Frage »Was heißt geisteswissenschaftliches Denken?« begonnen. Die Antwort Wilfried Heidts auf einen kritischen Zuruf ist ein Beispiel dafür, was - als medial breit geführte Debatte - nottut!

In diesem Sinne habe auch ich mich in die Diskussion eingebracht:

zapata33 07.09.2008 | 17:04

Das, was sich da in der Diskussion zwischen Wilfried Heidt und Giini zu entfalten beginnt, könnte umso fruchtbarer sein, wenn die SZ der Aufforderung folgen würde, für diese längst fällige Auseinandersetzung “ihre Spalten zu öffnen”. Wilfried Heidt hat diese Aufforderung in seinem ersten Kommentar (vom 6.09 11h06) - bezugnehmend auf die im Artikel gestellte Frage, ob denn „der anthroposophische Hintergrund der Waldorfschulen hinreichend kommuniziert“ werde - ausgesprochen.

Deutsche Journaille rastet aus

„Eva Hermann ist in aller Munde und das fast eine Woche, nachdem sie doch angeblich den Medientod gestorben sei. Die Hermannschlacht dauert an und jetzt dämmert uns, dass sie viel über Deutschland sagt und über unsere Medien und die Grenzen der Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit ist nicht nur in Russland, im Iran oder in China heikel, die Freiheit des Wortes hat auch in der Bundesrepublik ihre Grenzen, denn sie gilt ja für alle, auch für Reaktionäre und ungebildete Blondinen.“

Von heute an ist keine Ehe gültig, die nicht aufs neue geschlossen wird

Am vergangenen Mittwoch hat die CDU-Landrätin Gabriele Pauli das Programm zu ihrer Kandidatur zum Parteivorsitz vorgestellt. Dabei hat vor allem ihr Vorschlag einer "Ehe auf Zeit" größeres Echo erzeugt. Obwohl ihre Idee viel Stoff für tiefergehende Auseinandersetzungen birgt, haben die Medien entweder nur die diffamierenden Stimmen vor allem ihrer Parteikollegen wiedergegeben (als Beispiele siehe etwa: TAZ, Welt, Stern oder für Österreich auch den Kurier), oder aber, wie in der FAZ geschehen, die Öffentlichkeit in Paulis Anregung sehr ferne Gefilde gelockt (s.u.). Dazu habe ich einen Leserbrief an die FAZ verfasst, den ich im Folgenden dokumentieren möchte:

Von dem Ereignis, als Horst Köhler verhext wurde!

Wie die ARD das Thema der "Direkten Demokratie" ins Abseits manövrierte. In der vergangen Woche löste eine Aussage des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler ein mittleres Rauschen im Blätterwald der Printmedien wie im Klickdschungel der Blogossphäre aus:

"... ich glaube, dass es kein schlechtes Modell wäre, den Bundespräsidenten direkt zu wählen. Vielleicht sogar für nur eine Periode von sieben oder acht Jahren. Dann ist auch das Gerangel um die Wiederwahl, das immer auch politische, sozusagen koalitionspolitische Elemente hat, ein bisschen eingegrenzt."

Durchgängig wurden diese Aussagen, die Horst Köhler bei der Abschieds-Sendung der ARD-Talkmasterin Sabine Christiansen von sich gab, als "Plädoyer" oder gar als Handlungsvorschlag für die Verhältnisse in Deutschland wiedergegeben: "Köhler plädiert für Direktwahl des Präsidenten", "Köhler für Direktwahl des Bundespräsidenten" oder - um noch über Köhlers Befindlichkeit zu spekulieren: "Köhlers Frust-Vorstoß". Auch die Tagesschau machte hier keine Ausnahme. Doch dabei blieb es nicht: Als nächstes wurden Ländervergleiche angestellt, Parteien und ihre Vertreter meldeten sich zu Wort, unterstützt von Staatsrechtlern und Politikwissenschaftlern. Auch in den Blogs war es nicht viel anders: Der Bundespräsident rede dem Volk "nach dem Mund", Linkspartei und FDP sprangen ihm schnell zur Seite; er habe mit seinem Vorschlag ganz recht.

Liegestuhl Grundeinkommen

Liegestuhl GrundeinkommenEs ist nicht das erste mal, dass eine Sendung oder ein Artikel über die Idee des Grundeinkommens mit der Parole: "Geld fürs Nichtstun" titelt. So auch gestern Abend der wöchentliche Polittalk "Berlin Mitte" mit Maybrit Illner. "Soll Nichtstun bezahlt werden?", "Grundeinkommen - Geld für nichts tun", "1.500 Euro fürs Nichtstun!"- dies sind nur einige Beispiele, wie mit dem Thema verzerrend und manipulativ umgegangen wird. Mit den ernsthaften Vorschlägen der VertreterInnen eines bedingungslosen Grundeinkommens hat dies nichts zu tun.