Wer nicht denken will, fliegt raus.

sich selbst

(Joseph Beuys)

Kulturfrage

Charlie und das Volk

(splitter no.3)*

 

Die Zeit der heiligen Nächte war gerade verklungen, da erschütterte ein Terroranschlag Paris. Die Nachrichten überschlugen sich, Verdächtige wurden gejagt und zuletzt getötet. Zugleich regte sich Solidarität: Ein Satz verbreitete wie ein Lauffeuer um den ganzen Globus: “Je suis Charlie” – den Namen der attackierten Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” aufgreifend. In einem Gefühl der Einigkeit gingen Millionen Menschen auf die Straße, um ein Zeichen gegen den Terror zu setzen, um für “unsere Werte” einzutreten.

 

Je suis Charlie

 

An den Schwellen des Lebens

Sibylle LewitscharoffDie ,,Dresdner Rede" von Sibylle Lewitscharoff hat in den Medien viel Aufmerksamkeit erregt.

Lewitscharoff hätte durch künstliche Befruchtung entstandene Kinder als ,,Halbwesen" abgewertet. Die Onanie wolle sie verbieten. Und sie habe, indem sie die ,,Kopulationsheime" der Nationalsozialisten als ,,harmlose Übungsspiele" für die heutige Reproduktionsmedizin bezeichnete, ,,gefährliche Worte" geäußert. Allseitig distanzierte man sich von der Büchnerpreisträgerin. Reaktiv stürzten sich die Medien nur auf Reizworte, rissen sie aus dem Kontext und verbanden sie mit Unterstellungen. Die Rede jedoch war differenziert und ernst und sie betraf Fragen, die lohnen würden, sie unaufgeregt zu diskutieren. 

Zum Thema: ,,Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod" sprach die Autorin, den Beginn und das Ende des Lebens in den Blick nehmend. Etwas, was schon ihre Biographie ihr nahe legt: Ihr Vater war Gynäkologe und er starb durch Selbstmord. Ihrer 88-jährigen Mutter wurde durch ein ,,Reanimationstheater" das Leben im Koma um ein Jahr verlängert. Nur die schwäbische Großmutter – so erfährt man – starb einen ,,guten Tod".

In ideenlosen Zeiten ...

War, was in der Ukraine geschehen ist, ein Putsch gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten oder eine Revolution – ein „Kiewer Frühling“ – gegen einen Diktator? Hat die EU der Ukraine bloß einen Platz in ihrer friedlichen Völkerfamilie angeboten? Russland hingegen das Interesse, seine globale Größe in einem eigenen eurasischen Machtblock zu befestigen und ist dann das Vorgehen des Westen, der USA nicht doch darauf gerichtet, die Region zu destabilisieren, um solches zu verhindern? – Sind es die selben Strategien, die schon vor 100 und mehr Jahren betrieben wurden, um Russland zu schwächen, indem man die angrenzenden Regionen von der „russländischen“* Einflusssphäre abtrennt? Oder wird, gepaart mit politischer „Nullität“, aus kollektiven Gewohnheiten gehandelt und war es für die Akteure nicht vorhersehbar, dass die Annäherung der EU an die Ukraine Gespenster wecken würde und ein solches Vorhaben eine Sprengkraft enthielte, die sich jetzt auch entladen hat? Und wird das nicht alles in Kauf genommen, um letzlich wirtschaftlichen Einfluss auf den Energiemärkten zu sichern?

 

Ukraine - Schwarzes Meer - 2004

 Hafenrundfahrt Odessa 2004

Deutsche Journaille rastet aus

„Eva Hermann ist in aller Munde und das fast eine Woche, nachdem sie doch angeblich den Medientod gestorben sei. Die Hermannschlacht dauert an und jetzt dämmert uns, dass sie viel über Deutschland sagt und über unsere Medien und die Grenzen der Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit ist nicht nur in Russland, im Iran oder in China heikel, die Freiheit des Wortes hat auch in der Bundesrepublik ihre Grenzen, denn sie gilt ja für alle, auch für Reaktionäre und ungebildete Blondinen.“

Goethe sah es wie Pauli

Goethe und PauliAm Freitag (5. Oktober 2007) wurde der auf dieser Seite bereits veröffentlichte Leserbrief zu Gabriele Paulis Vorschlag einer Ehe auf Zeit und zu der Art und Weise, wie mit ihrem Vorschlag umgegangen wurde, in der FAZ veröffentlicht. Der Leserbrief wurde von der Redaktion etwas gekürzt und unter den treffenden Titel: "Goethe sah es wie Pauli" gestellt. Im Folgenden soll er auch in dieser FAZ-Variante hier wiedergegeben werden. Weitere Dialog-Beiträge zur Frage eines neuen Eherechts werden folgen.

Von heute an ist keine Ehe gültig, die nicht aufs neue geschlossen wird

Am vergangenen Mittwoch hat die CDU-Landrätin Gabriele Pauli das Programm zu ihrer Kandidatur zum Parteivorsitz vorgestellt. Dabei hat vor allem ihr Vorschlag einer "Ehe auf Zeit" größeres Echo erzeugt. Obwohl ihre Idee viel Stoff für tiefergehende Auseinandersetzungen birgt, haben die Medien entweder nur die diffamierenden Stimmen vor allem ihrer Parteikollegen wiedergegeben (als Beispiele siehe etwa: TAZ, Welt, Stern oder für Österreich auch den Kurier), oder aber, wie in der FAZ geschehen, die Öffentlichkeit in Paulis Anregung sehr ferne Gefilde gelockt (s.u.). Dazu habe ich einen Leserbrief an die FAZ verfasst, den ich im Folgenden dokumentieren möchte: