Von der Art ist die Weissagekunst: Sie erkennt aus dem
Offenbaren das Verborgene, aus dem Gegenwärtigen das Zukünftige,
aus dem Toten das Lebendige, und den Sinn des Sinnlosen.

(J. W. Goethe)

Charlie und das Volk

(splitter no.3)*

 

Die Zeit der heiligen Nächte war gerade verklungen, da erschütterte ein Terroranschlag Paris. Die Nachrichten überschlugen sich, Verdächtige wurden gejagt und zuletzt getötet. Zugleich regte sich Solidarität: Ein Satz verbreitete wie ein Lauffeuer um den ganzen Globus: “Je suis Charlie” – den Namen der attackierten Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” aufgreifend. In einem Gefühl der Einigkeit gingen Millionen Menschen auf die Straße, um ein Zeichen gegen den Terror zu setzen, um für “unsere Werte” einzutreten.

 

Je suis Charlie

 

Vor 25 Jahren war es ein anderer Satz, der die Gemüter ergriff: “Wir sind das Volk!” – Doch das sind nur Worte. Auf Begriffe kommt es an! Aus dem “Wir sind das Volk” – dem Ausdruck der demokratischen Souveränität – wurde unmittelbar nach dem Fall der Mauer, die nationale Parole: “Wir sind EIN Volk!“. 
 

Wir sind das Volk

 

Heute hören wir den ursprünglichen Satz in anderer Bedeutung wieder, wenn in Dresden die Pegida demonstriert.
 

“Je suis Charlie” ist auch nur ein Satz. Er kann – so sich die Begriffe klären – für die Freiheit im geistig-kulturellen Leben stehen, wie die Demokratie mit dem Ideal der Gleichheit verbunden ist. Der Name Charlie, “Karl” hat auch die Bedeutung: “der Freie” – “Ich bin der Freie”, “Wir sind das Volk”. Doch aus Frankreich kommt noch ein drittes Ideal: die Brüderlichkeit. In dieser Sphäre herrscht heute ein Usurpator: das Geld!
 

Ohne dass hier die Machtverhältnisse überwunden werden, können wir nicht ans Ziel kommen. Davon hängt es ab, ob “Charlie” eine Illusion bleibt oder der Beginn einer Revolution – einer Revolution der Begriffe, die zur Evolution unserer gesellschaftlichen Verhältnisse führt: Liberté, Égalité, Fraternité (ou la mort) – Liberté, Égalité, Fraternité et l'amour!

 

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* Mit den "Splittern" bezeichne ich kürzere (und gelegentlich auch längere) Texte auf meinen beiden Blogs (Gangandi Greidi und zapata33com), denen etwas Bruchstückhaftes, Fragmentarisches inne ist. Gedanken zu aktuelle Ereignisse, die sich noch nicht bis ins letzte offenbart haben. Kurze Kommentare, die auf größere Begründungszusammenhänge verzichten. Aphoristisches. 

2 Kommentare

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Von unseren Damen und Herren

Von unseren Damen und Herren werden unsere Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und Rechtsstaatlichkeit mal wieder heruntergeleiert. Gerade weil diese Begriffe noch nicht zur Wirklichkeit wurden. Gerade aus diesem Grunde finden verirrte Seelen wie diese brutalsten Terroristen immer wieder Platz in diesem von uns allen geschaffenen Vacuum. ...Unsere Freiheit ist keine Freiheit...Es gibt keine Gleichheit vor dem Gesetz und es gibt keine Brüderlichkeit, sondern nur den globalisierten Egoismus.
Ein Ausweg ist das Bedingungslose Grundeinkommen und das dreistufige Verfahren der Landes-Bundes-und Europa- sowie später Weltweiter Volksabstimmungen.

 
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Lieber Klaus Hartmann,

Lieber Klaus Hartmann,

vielen Dank auf den Hinweis auf das EBI und die dreistufige Volksgesetzgebung. Vor allem letzteres habe ich ja hier auf zapata33com immer wieder behandelt.

Ich möchte Deine Hinweise noch ergänzen um das aktuelle Projekt: "Der europäische Weg der Wirtschaft und des Geldes – Für eine zeitgemäße Geld- und Unternehmensordnung als erster Schritt zu globaler Solidarität" – www.europa2019.net

... und ob die Damen und Herren nur das Leiern können oder ob in einem verborgenen Winkel ihrer Seele nicht doch auch noch Ehrlichkeit schlummert ... nun das werden wir sehen ... aber letztlich kommt es doch darauf an, dass immer mehr Menschen für ihre eigene gesellschaftliche Verantwortung aufwachen. Solche Großdemonstrationen und Märsche sind aber ohne "Begriffe" noch kein Wachen, bestenfalls ein Träumen.

Ich empöre mich nicht mehr, wo ich wissen kann, dass es doch noch gar nicht anderes zu erwarten ist, als das die "Damen und Herren" sind wie sie sind. Auch sie werden sich ändern, wenn genügend viele Menschen die Impulse der Aufklärung auf eine nächste Ebene heben. Jetzt stecken wir noch fest in ihrer ersten Stufe, wo wir unsere Werte und erkämpften Güter, wie Meinungsfreiheit udgl. verteidigen. Die nächste Stufe wäre die gesellschaftlichen Bedingungen begrifflich klar zu erkennen, die für ein wirklich freies Geistesleben nötig sind: Neben der Demokratiefrage ist das die Befreiung aus der Herrschaft des Geldes (wozu auch die Einkommensfrage gehört). Diesem Punkt will das genannte Projekt "Europa 2019" dienen! Ich würde mich für deine Sicht auf das Projekt und für Deine Fragen dazu interessieren.

Beste Grüße
Gerhard Schuster

 

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