Unser Wahlspruch muss also sein: Reform des Bewusstseins (...)
Es wird sich dann zeigen, dass die Welt längst den Traum von einer
Sache besitzt, von der sie nur das Bewusstsein besitzen muss,
um sie wirklich zu besitzen.

(Karl Marx)

In ideenlosen Zeiten ...

War, was in der Ukraine geschehen ist, ein Putsch gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten oder eine Revolution – ein „Kiewer Frühling“ – gegen einen Diktator? Hat die EU der Ukraine bloß einen Platz in ihrer friedlichen Völkerfamilie angeboten? Russland hingegen das Interesse, seine globale Größe in einem eigenen eurasischen Machtblock zu befestigen und ist dann das Vorgehen des Westen, der USA nicht doch darauf gerichtet, die Region zu destabilisieren, um solches zu verhindern? – Sind es die selben Strategien, die schon vor 100 und mehr Jahren betrieben wurden, um Russland zu schwächen, indem man die angrenzenden Regionen von der „russländischen“* Einflusssphäre abtrennt? Oder wird, gepaart mit politischer „Nullität“, aus kollektiven Gewohnheiten gehandelt und war es für die Akteure nicht vorhersehbar, dass die Annäherung der EU an die Ukraine Gespenster wecken würde und ein solches Vorhaben eine Sprengkraft enthielte, die sich jetzt auch entladen hat? Und wird das nicht alles in Kauf genommen, um letzlich wirtschaftlichen Einfluss auf den Energiemärkten zu sichern?

 

Ukraine - Schwarzes Meer - 2004

 Hafenrundfahrt Odessa 2004

„Man reicht aus, ohne daß man Ideen hat, in Zeiten von Revolutionen und Kriegen, man kann aber nicht ausreichen ohne Ideen in Zeiten des Friedens; denn werden die Ideen in Zeiten des Friedens rar, dann müssen Zeiten von Revolutionen und von Kriegen kommen.“ Dieser Gedanke, so Rudolf Steiner, könne – indem er einen „inneren spirituellen Zusammenhang“ zum Ausdruck bringt – eine „Richtkraft für soziales Denken in der Zukunft“ sein. „Und alle Deklamationen über den Frieden nützen nichts, wenn nicht diejenigen, die die Geschicke der Völker zu leiten haben, sich bemühen, gerade in Friedenszeiten Ideen zu haben. Und sollen es soziale Ideen sein, so müssen sie sogar von jenseits der Schwelle herrühren.“ (Vortrag vom 24. 11. 1918, GA 185a) 

 

Welche Ideen fehlen? Solche, die Antworten geben, auf die wirtschaftlichen Kämpfe, die nur in Ausnahmefällen auch mit militärischen Mitteln geführt werden, dennoch, auf unser aller Wohl und Wehe Einfluss nehmend, global toben. Und andererseits solche Ideen, die etwas ins Spiel bringen, was darauf gerichtet ist, die unterschiedlichen Qualitäten der verschiedenen Weltregionen in einer global-solidarischen Wirtschaftsordnung zu integrieren.  

 

Über solche sich ergänzende Qualitäten der Völker und Erdteile kann die anthroposophische Geisteswissenschaft Auskunft geben. Einer noch immer aus den nationalen Kräften herrührende „Standortpolitik“ kann sie das Bild der „ganzen Erde als Wirtschaftsorganismus“ (R. Steiner im 1. Vortrag des Nationalökonomischen Kurses, GA 340) begrifflich differenziert entgegenhalten. – Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und hundert Jahre nachdem Rudolf Steiner auf den Krieg mit der Friedensidee der „Dreigliederung des sozialen Organismus“ geantwortet hat, ist es mehr denn je die Aufgabe der Anthroposophischen Bewegung sich heilsam ins Weltgeschehen einzubringen. Es gehört zu ihren zentralen Aufgaben, „für alle Zweige des menschlichen Lebens“, die „Konsequenzen auszuarbeiten“ (Rudolf Steiner am 30. Januar 1924, GA 260a, S. 112ff), die sich aus der Tatsache ergeben, dass die Anthroposophie als moderne Geisteswissenschaft, sozusagen als Wissenschaft für „Ideen von jenseits der Schwelle“, ins Erdengeschehen eingetreten ist.

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