Durch Revolution der Begriffe
zur Evolution der Gesellschaft

(Wilhelm Schmundt)

BEUYS – Ein würdeloser Geburtstagsgruß

Wenn ein Mensch so charakterisiert wird, dass alles alles wofür er eintrat, ihm abgesprochen wird, alles wogegen er stand, ihm unterstellt wird, wenn dabei mit Lügen, Verzerrungen und Verleumdung operiert wird, dann kann man das, was da stattfindet nicht anders als einen Angriff nennen!  

Ein solcher Angriff findet sich in der morgen erscheinenden Ausgabe des Spiegel gegen Joseph Beuys. Man konnte das Heft schon heute im Internet lesen, am 12. Mai, Beuys' 92. Geburtstag. Ein unwürdiger Akt!

Was im Spiegel zu lesen ist, ist die Rezension eines Buches von Hans-Peter Riege, das den vermessenen Titel „Beuys: Die Biographie“ trägt. Das Buch – herausgegeben im Aufbauverlag – kommt erst in einer Woche in den Handel, konnte also hier noch nicht in den Blick genommen werden. Was allerdings von Ulrike Knöfel ohne kritische Distanz davon im Spiegel wiedergegeben wurde, reicht, um zu erkennen, wie hier ein Mensch nicht nur verkannt wird, sondern dieser Mensch regelrecht in seiner inneren Wahrheit zerstört werden soll.

Aber es ist in den wenigen mit dem Titel "Kunstborn" überschrieben und als "Zeitgeschichte" markierten Seiten des Spiegel-Artikels nicht nur Joseph Beuys das Opfer. Auch Wegbereiter und Weggefährten und ein wichtiger Ort seines Wirkens werden in ein so vollkommen falsches (braunes) Licht gerückt, dass der, der es nicht besser weiß, vollkommen in die Irre geführt wird.

Der im Spiegel als „Heimstätte für offenbar viele Menschen mit [Nazi]Vergangenheit“ beschriebene und genannte Ort ist Achberg, womit das dort ansässige „Internationale Kulturzentrum“ gemeint ist, wo ab 1973 der auch erwähnte ››› „Ständige Jahreskongress Dritter Weg“ stattfand. An diesen Zusammenkünften nahmen hunderte Menschen teil, die eine gesellschaftliche Alternative in den Blick fassen wollten. Im Mittelpunkt standen die Ideen des Prager Frühlings ("Freiheit, Demokratie, Sozialismus"), deren Repräsentanten, nachdem sie nach dem 21. August 1968 die CSSR verlassen mussten, in Achberg eine geistige Heimat fanden, um dort mit anderen sozialen Bewegungen, auch der im Spiegel mit stereotypen Aussagen charakterisierten anthroposophischen in Austausch zu treten. Hier haben für Beuys wichtige Begegnungen mit Menschen und Ideen stattgefunden. Der im Spiegel als Ex-Nazi verunglimpfte Wilhelm Schmundt war Physiker und Soziologe, der in Weiterführung der Darlegungen Rudolf Steiners zu einer „Dreigliederung des sozialen Organismus“ eine der wichtigsten Grundlagen für das Denken von Joseph Beuys wurde. Was davon „ewiggestrig“ sein soll, kann man selbst in Erfahrung bringen, wenn man den auch heute noch hochaktuellen ››› Aufruf zur Alternative liest. Kennt man diese Zusammenhänge und auch etwa die Idee der direkte Demokratie, für die Beuys "volkspädagogisch" einzutreten versuchte, ist es absurd zu meinen, dass er letzlich – darin "Steiner und dessen verqueren Idealen" folgend –  eine "totalitäre Gesellschaft" angestrebt habe. Das vollkommene Gegenteil ist zu erkennen, blickt man mit unbefangenem Denken auf Steiner wie auf Beuys!

* * *

Ich kann hier nicht im Einzelnen auf die Dinge eingehen, zumal auch die sog. „Biographie“ noch gar nicht erschienen ist. Damit man sich aber ein umfassenderes Bild auch zu dem in dem Spiegel-Artikel thematisierten Verhältnis Beuys' zu Achberg  machen kann, sei noch ergänzend auf einen ››› Tagungungsbericht verwiesen, der im Jahr 2004 entstanden ist. Die Tagung trug den Titel „Joseph Beuys und seine Quellen“ und war Teil einer Reihe von Veranstaltungen zum 33-jährigen Bestehen des „Internationalen Kulturzentrums Achberg“.

3 Kommentare

 #

Was für eine

Was für eine Verunglimpfung... In meinen Augen hat der Spiegel damit jeden Rest an Integrität verloren...

Schmundt war definitiv kein Nazi. Sein Bruder war einer. Niemand hat mehr darunter glelitten, als Schmundt. Beuys war genau so wenig Nazi, wie sein Fliegerkollege und Freund Heinz Sielmann, der später Tierfilmer in Afrika wurde. Peter Schilinski gründete die erste freie Kommune in Deutschland, noch vor der K1. Und dass Beuys mit Heinrich Böll und anderen die FIU gründete, bleibt wahrscheinlich auch unerwähnt...

 
 #

Solange jeder schreiben darf

Solange jeder schreiben darf was er will, müssen wir mit solchen Pamphleten leben. Missachtet sie weitgehend und kauft sie vor allem nicht!
Der Spiegel diskreditiert sich einmal wieder selbst. Hängt dieser verleumderische Ton vielleicht mit dem neuen Chefredakteur zusammen, Ex-Chef der hirntoten dpa?

 
 #

@feinsand: Natürlich soll

@feinsand: Natürlich soll jeder schreiben können, was er will, wo wären wir sonst! Aber bei der Möglichkeit, dem darin Lügenhaften dann wirksam entgegenzutreten, besteht noch keine geistige "Waffengleichheit" – Auf dem Weg zu einer emanzipierten Gesellschaft, die ja das Ziel auch der Arbeit von Beuys war, müssen solche Machtstrukturen beseitigt werden; die Strukturen, niemals die Menschen!

 

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.