Freiheit, Demokratie, Sozialismus sind historische Forderungen,
sie müssen nur richtig verstanden werden.

(Rudolf Steiner)

Leserbrief zu: „Sind Waldorfschulen ein Verstoß gegen das Grundgesetz?“

Nach meiner >> kurzen Einlassung in der Internet-Diskussion habe ich nun auch einen Leserbrief zu: „Sind Waldorfschulen ein Verstoß gegen das Grundgesetz?“ von Alexander Kissler, SZ 5. Sept. 2008 an die Redaktion der SZ geschickt. Dort heißt es:

Ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, was da alles an dubiosen Äußerungen zur angeblich „dubiose Lehre an Waldorfschulen“ – wie es in dem Untertitel zu Kisslers Artikel heißt – halbwahr und komplett falsch, aber vor allem gänzlich aus den Zusammenhängen gerissen, geäußert wird. All das könnte (auch für die breite Öffentlichkeit) aufgeklärt werden, wenn die SZ für diese längst fällige Diskussion „ihre Spalten öffnen“ würde, wie dies Wilfried Heidt in einem Kommentar auf der jetzt-Webseite der SZ (am 6.09 11h06) formulierte. Nehmen Sie sich selbst ernst und tragen Sie als anspruchsvolles Printmedium dazu bei, dass die in Ihrem Artikel gestellte Frage: ob denn „der anthroposophische Hintergrund der Waldorfschulen hinreichend kommuniziert“ werde, mit ja beantwortet werden kann.

More…Es ist heute ganz selbstverständlich, dass in den zahlreichen Talkrunden und anderen Medienformaten die unterschiedlichsten Positionen, Lehren, Klugheiten, aber auch vielfach Verrücktes und Verschrobenes zu Wort kommt. Die anthroposophische Geisteswissenschaft bleibt dabei – mit dem Vorurteil der Unwissenschaftlichkeit abgetan – weitestgehend ignoriert. Einzig dann macht sie hin und wieder Schlagzeilen, wenn sie, wie z.B. aktuell in der Diskussion um das “Schwarzbuch Waldorf”, attackiert wird. In diesen Fällen aber eben ohne dass ihre Grundlagen schon in freier und ausgiebiger Weise verhandelt wurden.

Bei dieser Ignoranz und Einseitigkeit bleibt dann auch jenes wichtige Gebiet auf der Strecke, auf das Wilfried Heidt in seiner zweiten Einlassung zu den Vorgängen rund um den Kissler-Artikel im Internet zu sprechen kommt: die Lösungsansätze, die sich in Bezug auf die soziale Frage aus den geisteswissenschaftlichen Impulsen heraus ergeben.

Was hier (ausgehend von Rudolf Steiner in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, zur selben Zeit und auch im Zusammenhang mit der Gründung der ersten Waldorfschule) v.a. in den letzten Jahrzehnten entwickelt und ins Spiel gebracht wurde, ist noch sehr wenig bekannt und im gesamtgesellschaftlichen demokratischen Diskurs nicht daraufhin geprüft, ob die damit angesprochenen Ideen Antworten bieten auf die zahlreichen Probleme, die sich in einer ökologisch bedrohten, globalisierten Welt des 21. Jahrhundert ergeben: Antworten auf Probleme, von denen immer mehr Menschen den Eindruck haben, das etablierte Denken der Parteien-Demokratie und der neoliberalen Wirtschaft könne sie nicht lösen.

Es ist an der Zeit, dass diese Ansätze auf den Tisch kommen und gleichberechtigt mit andern diskutiert werden. Erst dann kann man prüfen, was davon ein Beitrag sein könnte zu einem „Entwurf für die Gesellschaft der Zukunft“ (Otto Schily zur Dreigliederungsidee Rudolf Steiners im Deutscher Bundestag am 13. März 1986). Die SZ als weitverbreitetes, vielgelesenens Medium steht hier in der Verantwortung. Sicher erwarten auch andere Ihrer Leser, dass Sie in dieser Hinsicht ihre gesellschaftliche Pflicht tun.

Gerhard Schuster

Wiener Institut für Europäische
Gesellschafts-Entwicklung

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