L'amor che muove il sole e l'altre stelle.

(Dante Alighieri)

Deutsche Journaille rastet aus

„Eva Hermann ist in aller Munde und das fast eine Woche, nachdem sie doch angeblich den Medientod gestorben sei. Die Hermannschlacht dauert an und jetzt dämmert uns, dass sie viel über Deutschland sagt und über unsere Medien und die Grenzen der Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit ist nicht nur in Russland, im Iran oder in China heikel, die Freiheit des Wortes hat auch in der Bundesrepublik ihre Grenzen, denn sie gilt ja für alle, auch für Reaktionäre und ungebildete Blondinen.“

Mit diesen Worten ihrer Anmoderation zu der gestrigen Kulturzeitsendung hat Tina Mendelsohn ein weiteres Kapitel in der Meinungsmache gegen Eva Hermann eingeleitet, das dann ihr Interviewpartner Uwe Wittstock mit folgenden Worten fortsetzte:

Es müsse gesagt werden, dass Eva Hermann „ziemlichen Unsinn redet, ziemlichen Schwachsinn verzapft, aber auch Schwachsinn genießt Meinungsfreiheit in Deutschland und deshalb wird Eva Hermann auch nicht von der Justiz verfolgt, sondern sie erlebt zur Zeit eine Verfolgung durch die ungeschriebenen Sätze der politischen Korrektheit.“

Was aber hat es mit „politischer Korrektheit“ zu tun, wenn man Eva Hermann bei gleichzeitiger Diffamierung und polemischer Missachtung dessen, was sie eigentlich zu sagen hat, dazu zu bewegen versucht, sich von etwas zu distanzieren, was Journalisten jeden Tag neu erfinden.

Von der Bildzeitung bis hin zu 3Sat wird – besonders seit ihrem Auftritt bei Kerner vor einer Woche – auf Eva Hermann regelrecht eingeprügelt. Das Beispiel lässt einen Ungeist offenbar werden, der allenthalben in den Gazetten und Talkshows seine Spuk treibt, um die Öffentlichkeit – ohne Rücksicht auf geistige und seelische Beschädigungen der Beteiligten – systematisch zu verwirren.

Schon an manchen Stellen in diesem Blog ging es um Medienkritik – wir wollen künftig diesen Strang noch mehr forcieren und Aufklärung treiben über die Methoden einer ausgerasteten Medienwelt.

Wir beginnen mit der Publikation eines Briefes von Wilfried Heidt an Tina Mendelsohn:

Sehr geehrte Frau Mendelsohn,

in Erwartung Ihrer gewohnt sachlichen Moderation und Interviewführung, haben Sie mich gestern (15. 10.) aber gleich mit Ihrem ersten Satz, mit welchem Sie sich bei all jenen eingereiht haben, die zur Zeit ein widerliche Kampagne gehen Eva Hermann führen, arg enttäuscht.

Ohne ihren Namen zu nennen wurden gleich alle „ungebildeten Blondinen“ mit diskriminiert, denn auch sie hätten ja hierzulande „Meinungsfreiheit“. Und dergestalt Frau Hermann diffamierend, ging es dann 10 Minuten in Ihrem Interview mit Uwe Wittstock kunterbunt mit noch anderen Themen weiter, ohne dass Sie dem Literaten Einhalt geboten hätten, sein Verwirrspiel zu treiben.

Dabei steht jederzeit nachprüfbar fest, dass nicht eine einzige der Eva Hermann unterstellten Äußerungen tatsächlich auch von ihr stammt. Man erfindet vielmehr dies und das und fordert Frau Hermann dann auf, sich davon zu distanzieren – obwohl ihr in keinem Fall irgendeine der Unterstellungen zur Last gelegt werden kann. Wenn Sie, verehrte Frau Mendelsohn, dies bestreiten wollen – insbesondere was eine angebliche Nähe zu nationalsozialistischen Positionen betrifft – bin ich gerne bereit, diesbezüglich den entsprechenden Nachweis, dass es keineswegs so ist, in ihrer Sendung zu führen.

Da in fast der gesamten bundesdeutschen „Journaille“ derzeit unisono in das gleiche Horn gestoßen wird, scheint hier bei vielen Kommentatoren eine kollektive Geistesverwirrung umsichgegriffen zu haben. Aufklärung, zu der ich gerne beitragen möchte, tut not!

Das mindeste, liebe Frau Mendelsohn, wäre, gleich heute eine Entschuldigung gegenüber Eva Hermann, gegenüber allen „ungebildeten Blondinen“ und gegenüber allen Ihnen ansonsten gewogenen Kulturzeit-Seherinnen und -Sehern auszusprechen.

Verspielen Sie den Kredit, den Sie genießen, nicht leichtfertig.

Mit besten Grüßen

Wilfried Heidt

PS: Frau Hermanns Positionen, die sie in ihren Büchern vertritt, stehen hier nicht zur Debatte. Nicht diese sind das Problem, sondern das, was man ihr unbegründet unterstellt. Das wird nicht dadurch wahr, dass immer mehr Schwachsinn darüber in Umlauf gesetzt wird.

1 Kommentar

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Ein sich immer weiter

Ein sich immer weiter ausbreitendes Phänomen, welches auch in der Sendung von J. B. Kerner zu beobachten war, ist der Mangel an Unterscheidungsvermögen. Die Gesprächspartner von Eva Hermann waren offenbar nicht in der Lage, die bloßen Wörter von der Mitteilung des Gedanken zu unterscheiden. Dies führte zu immer neue Anschuldigungen und Unterstellungen gegenüber Frau Hermann bis hin zu der Forderung, sie solle sich für Dinge entschuldigen, die Sie weder gesagt noch vertreten hatte. Auch ist mir im weiteren Verlauf keinen einzige Bezugnahme in den Medien bekannt, die die Verwirrung aufgeklärt hätte; stattdessen: Fortsetzung der Hermann-Schlacht und weitere Verunglimpfungen. Dort, wo man dann doch erkannt hatte, dass sie sich keiner „falscher Gedanken“ schuldig gemacht hat, wird ihr „nur“ noch Dummheit attestiert. Ganz frei sprechen – ohne wenn und aber - will man sie ja doch nicht.Es stellt sich mir die ernste Frage: Degenerieren die Medien zu Organe einer neuen Inquisition, wo von allen Seiten die Scheite zusammengetragen werden für breit angelegte mediale Hexenverbrennungen? Eine neue Aufklärung, wie sie hier begonnen wird, ist wahrlich fällig und – damit einhergehend – die Übung des Unterscheidungsvermögens. 

 

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