Von der Art ist die Weissagekunst: Sie erkennt aus dem
Offenbaren das Verborgene, aus dem Gegenwärtigen das Zukünftige,
aus dem Toten das Lebendige, und den Sinn des Sinnlosen.

(J. W. Goethe)

Der Papst als Drogendealer?

Nichts Neues aus dem Vatikan. Aber wie lange noch?

Ritter, Tod und Teufel von Albrecht Dürer, 1513I. Als ob es nicht genügte, dass die dpa ihre Agenturmeldungen nicht ohnehin in allen Gazetten und Kanälen verbreitet! Des längeren schon werden diese von den Redaktionen auch "online" zusätzlich ins Netz gestellt - damit ihre Botschaften nur ja an keiner Seele unbemerkt vorbeigehen! So auch jetzt wieder.

Der Papst, Chef der römisch-katholischen Kirche und ihrer Zentrale in Rom, war 5 Tage zu Besuch in Brasilien. Dabei hat er sich nicht nur "missionarisch" zu religiösen Fragen geäußert, sondern auch in politische und gesellschaftliche Fragen eingemischt. Dass es bei solchen Bekundungen naiv zuginge, sollte man besser nicht unterstellen. Laut dpa hat Benedikt XVI. am letzten Tag seines Aufenthaltes auf folgendes hingewiesen: Er "erteilte der umstrittenen, marxistisch orientierten Befreiungstheologie erneut eine Absage. Der Glaube, der aus Lateinamerika »den Kontinent der Hoffnung« gemacht habe, sei »keine politische Ideologie, keine soziale Bewegung wie auch kein Wirtschaftsystem«." "Zum Auftakt der Sitzung der Bischofskonferenz kritisierte das Oberhaupt der katholischen Kirche dann vor 162 Bischöfen aus Lateinamerika und der Karibik die Tendenz zum bedingungslosen Profitstreben im Zuge der Globalisierung. Die Globalisierung bringe die Gefahr einer Bildung »großer Monopole« mit sich. Häufig werde »Profit wie der oberste Wert behandelt«. Sowohl Marxismus als auch Kapitalismus hätten Versprechungen gemacht, die sich als falsch erwiesen hätten. (...)" Wie lange noch täuschen sich dergestalt so viele Gutgläubige - Katholiken wie Nicht-Katholiken -, die derartige Propaganda naiverweise begrüßen, darüber hinweg, dass mit solchen subtilen Redensarten die Seelen der Menschen wider besseres Wissen schamlos vergiftet werden? Worum handelt es sich?

II. "Die Religion" sei, schrieb der junge Marx in seiner "Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie" 1843/44, "das Opium des Volks." Nun, dem kann man widersprechen, ohne an dieser Stelle in die philosophische Eröterung der Marxschen These einzutreten, weil es für die Aufklärung, um die es hier geht, gar nicht nötig ist; denn es nicht "die Religion" an sich "das Opium", die Droge, die "falsches Bewusstsein" erzeugt und dem Denken das Erkennen verunmöglicht. Die "Logik" der Wirksamkeit in diesem Sinn ergibt sich vielmehr daraus, dass der Papst wenn schon nicht als "Stellvertreter Christi" auf Erden, d. h. als "religiöse" Autorität, so doch auch von vielen Nichtchristen als "moralische" Autorität und sogar als Autorität in Erkenntnisfragen angesehen wird. Daraus entsteht ein geistig-politisches Machtpoblem, das in der Demokratie durchschaut und bearbeitet werden muss. In der säkularen und weltanschaulich pluralistischen Gesellschaft können wir es getrost der Kirche und ihren Mitgliedern überlassen, ob diese sich dem Urteil des Papstes über die "Befreiungstheologie" oder auch darüber anschließen wollen, "der Glaube" sei "keine politische Ideologie, keine soziale Bewegung wie auch kein Wirtschaftsystem". Aber es ist als Gedanken-"Opium", wie es der Papst und die Agenturen als ideologischen Papaver in der Menschheit verbreiten - mit der Behauptung verbreiten, im Zuge der Globalisierung gebe es die "Tendenz zum bedingungslosen Profitstreben", sie bringe "die Gefahr einer Bildung großer Monopole" mit sich, häufig werde der "Profit wie der oberste Wert behandelt und sowohl Marxismus als auch Kapitalismus hätten Versprechungen gemacht, die sich als falsch erwiesen hätten" - für das menschliche Bewusstsein von nicht geringerer Zerstörungskraft als der natürliche. Der Vatikan ist, das wurde schon gesagt, kein Hort für Naivität. Will sagen, man wird dort sehr genau wissen, dass mit diesen Formulierungen weder über den "Marxismus" noch über den "Kapitalismus" die eigentliche Wahrheit getroffen ist! "Falsch", bei beiden, sind nämlich nicht nur ihre "Versprechungen". Weil der "Marxismus" als herrschende "Lehre" eines herrschenden Systems historisch seit längerem keine Rolle mehr spielt, können wir uns hier auf den "Kapitalismus" konzentrieren. Was ist seine volle Wahrheit? Die "Tendenz zum bedingungslosen Profistreben"? Dass "der Profit wie der oberste Wert behandelt wird"? Mit solchen Formulierungen wird der Wahrheit, der unbedingten Wahrhaftigkeit, zu welcher der Papst in der Nachfolge Jesu verpflichtet ist, kein Dienst erwiesen! Alle, ob Christen oder Nichtchristen, können wissen, müssen wissen, dass das Profitprinzip eine der tragenden Säulen des Kapitalismus ist, wie die Säule des Lohnens der Arbeit und die Säule des Privateigentums an den Produktionmitteln. Und diesen drei Prinzipien ist als viertes die Geldordnung in all ihren Verästelungen und Verzweigungen angepasst. Das weiß man im Vatikan nur zu gut. Man weiß auch sehr genau, dass allein aus dem Zusammenwirken dieser Prinzipien sich die ganzen Unmenschlichkeiten ergeben müssen, unter denen die meisten Menschen, letztlich alle global zu leiden haben. Aber man selbst profitiert als Machtorganisation aus der Praxis dieser Prinzipien, und deshalb verbreitet man "Opium" - statt Wahrheit. Man hat Angst vor der Wahrheit, weil man mit dem Bekenntnis der Wahrheit auf alle Macht verzichten und seine Existenz als Kirche in der Gegenwart und Zukunft auf nichts anderes gründen dürfte als auf die freie Zustimmung zur freien Spiritualität jener, denen diese ein existenzielles Bedürfnis ist. III. Erst wenn immer mehr Menschen diese Zusammenhänge durchschauen, wird jener "kategorische Imperativ" als einer der Inhalte des Christentums des 21. Jahrhunderts auch im Vatikan Anerkennung finden, mit dem Karl Marx den Gedankengang an der zitierten Stelle seiner Hegelkritik abschließt, wo es heißt, es gehe darum, "alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist." Freilich, und damit hätte dann Benedikt XVI. konsequenter als in allen seinen bisherigen Verlautbarungen und konsequenter auch als in allen Sozialenzykliken und in der ganzen katholischen Soziallehre doch noch Recht: Weder das Ergebnis dieser Transformation noch der Weg dahin wären bloß eingehaltene "Versprechungen" eines "Marxismus" (Kommunismus) oder eines "Kapitalismus". Es wäre die konsequente Überwindung beider "Ideologien" und ihrer "Systeme". Es wäre der dritte Weg. Er ist im Vatikan gewiss nicht unbekannt. Wir müssen aber nicht warten, bis wir ihn - z.B. in einer päpstlichen Enzyklika - von dort erfahren. Jedermensch kann ihn schon heute im Netz finden! Und alles, was nötig ist zu tun, um ihn politisch und gesellschaftlich zu verwirklichen, steht auch im Netz zur Verfügung (www.volksgesetzgebung-jetzt.at und www.volksgesetzgebung-jetzt.de). "Prüfet alles und das Beste behaltet", rät der Apostel Paulus. "Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein", appelliert der Apostel Jakobus - an die Herzen und das Wollen. Dante [Tags] [/Tags]

5 Kommentare

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Ende des 19. Jahrhunderts war

Ende des 19. Jahrhunderts war der Vatikan pleite. Aber er wurde mit Geld, das aus dem kapitalistischen Profitstreben stammte, wiederaufgepäppelt, und begann, die Wahrheit zu monopolisieren: der Papst sei unfehlbar (dann und wann, natürlich). Aber der Mensch soll Selbst-Erkennender werden. Selbst-Wahrheit-Wissender, Selbst-Handelnder. Dazu braucht er die moralische Autorität eines Selbst-Ernannten nicht. Es reicht, sich zu fühlen, zu erkennen, zu wollen. Das ist Wahrheit!

 
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Hallo Pilatus

Hallo Pilatus,wenn ich es recht heraushöre, schrieb derjenige, mit dem Du DANTE zu belehren Dich bemühst, ziemlich am Anfang seines philosophischen Hauptwerks den Satz: “Aber oft schon ist durch den Mangel an Unterscheidungsvermögen endlose Verwirrung entstanden.”DANTE unterscheidet bewusst: einerseits die katholische Kirche als religiöse Institution, die autonom sein muss im Hinblick auf alles, was sie betrifft - also z. B. hinsichtlich des Selbstverständnisses des Papstes bzw. der katholischen Kirche in der Frage seiner “Unfehlbarkeit” in Glaubensfragen des Christenums. DANTE schreibt, dass er dazu nicht Stellung nehmen will, weil das nicht das “allgemeinmenschliche” Thema betrifft, zu welchem sich Benedikt XVI. in Brasilien geäußert hat. Geäußert hat er sich zur Frage des “Kapitalismus” einerseits und des “Marxismus” (Kommunismus) andererseits im Rahmen der “Globalisierung” heute.DANTE ist der Ansicht, dies sei ein grundlegendes “allgemeinmenschliches” Problem in der Gegenwart, ja es sei dies d i e entscheidende ungelöste Frage in der Menschheitsentwicklung seit 200 Jahren. Sie betrifft den sozialen Organismus, also dasjenige Wesen, das - nach neutestamentlichem Verständnis (als der “Leib Christi”, wie es im 1. Korintherbrief des Paulus heißt) - alle Menschen als Menschheit umfasst.Darum geht es hier! Verkündet der Papst als vom Evangelium auf die Wahheit verpflichteter Christ - oder wer auch sonst - zu dem damit verbundenen “allgemeinmenschlichen” Problem nachweisbar die Wahrheit oder tut er das nicht und bringt statt dessen - von den meisten unbemerkt - weltweit die Seelen vergiftendes “Gedanken-’Opium’”, wie DANTE es nennt, in Umlauf.Weil Pilatus von dieser präzisen Fragestellung seinerseits (unbewusst) ablenkt, zeigt das - selbst wenn er mit seinen kirchlichen Spezialfragen im Recht wäre -, dass auch er der “Opium”-Strategie des Vatikans auf den Leim gegangen und dabei ist, sich selbst mit dem “Opium” einer gewissen Erkenntnisverweigerung zu benebeln oder zumindest die Aufklärung des Sachverhaltes bei sich zu behindern.Aber: das ist ja noch keine “Todsünde”, kein Grund zur ewigen Verdammnis! Gibt doch DANTE, mit solcherart Reaktion rechnend, den “Weg der Alternative” mit dem Hinweis auf verschiedene Links an, bei denen sich jeder, der “guten Willens”, d. h. am “Evangelium” interessiert ist, jederzeit “rund um die Uhr” die nötigen Informationen zum Erlangen des Erkennens der sozialen Wirklichkeit beschaffen kann. Niemand kann heutzutage mehr “die Wahrheit monopolisieren”. Niemand! Es liegt ausschließlich an jedem Einzelnen, den zeitgemäßen Schulungsweg zu gehen.  

 
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Zu dem Bild - dem Stich von

Zu dem Bild - dem Stich von Dürer - gibt es einen interessanten Eintrag in der Wikipedia!

 
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Schade, dass Pilatus den

Schade, dass Pilatus den Diskurs offenbar nicht fortsetzen möchte. DANTE hat ihn ja nicht privater Meinungsäußerungen, sondern des Versuches wegen eröffnet, ob es gelingen kann, sich - seiner Erkenntnis nach - über die wichtigste Frage unserer Epoche zu verständigen: Was ist die menschenwürdige Alternative zum globalen Kapitalismus, wenn man unterstellt, der “Marxismus”-Sozialismus bisheriger Prägung scheide als Möglichkeit einer solchen Alternative aus?Sich für diesen Diskurs auf eine Rede des Papstes zu beziehen, ist zunächst deshalb sinnvoll, weil seine Stimme weltweit verbreitet und gehört wird und diese Stimme vielleicht noch immer mehr als jede andere für die Urteilsbildung vieler Menschen von Gewicht ist.Dass sich DANTE aus dem gegebenen Anlass nochmal zu Wort meldet, ist darin begründet, dass man nach dem, was dpa über die Rede Benedikts XVI. gemeldet hatte und wovon in der ersten Einlassung ausgegangen wurde, beim Vergleich des vollen Textes in der quasi offiziellen Fassung durch Radio Vatikan doch manche Unterschiede festzustellen sind.Wären diese nun derart, dass DANTES Kritik deshalb als fehlerhaft, irrend und ungerecht gegenüber dem Redner hätte festgestellt werden müssen, wäre es kein Problem gewesen, sich gegenüber dem pontifex maximus zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten. Doch zeigt das aufmerksame Studium, dass es für ein solches “mea culpa” leider keinen Grund gibt.Zwar ist der Volltext in den Teilen, um die es hier geht, differenzierter, aber das gekennzeichnete Problem bleibt: Außer moralischem Appellieren an den Einzelnen und moralischer Kritik an Ungerechtigkeiten heutiger Wirtschaft und Politik und abstrakten Hinweisen auf die Notwendigkeit von strukturellen Änderungen in den bestehenden Verhältnissen, fehlen jegliche Begriffe, die aufzeigen könnten, auf welche Prinzipien sich der globale Kapitalismus stützt und welche neuen Begriffe an ihre Stelle treten müssten, wollte man aufrichtig und ehrlich und wirklichkeitsgemäß ein menschenwürdiges Gesellschaftssystem realisieren.So bleibt die Frage an den Vatikan und seinen Oberhirten unverändert dramatisch auf der Tagesordnung: Was will die katholische Kirche - in Wahrheit?Wissen ihre Lenker und Oberlenker, dass der Kapitalismus prinzipiell ein wirklichkeitswidriges und menschenfeindliches System ist? Wenn sie es wissen: Warum sagen sie es nicht? Wenn sie es nicht wissen sollten: Sind sie daran interessiert, es in Erfahrung zu bringen? Sie können es, wie jedermensch, hier im Internet erkunden -, um dann liebend aus der Kraft ihrer menschlich-moralischen Weltmitverantwortung und aus Erkenntnis frei zu handeln. 

 
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Benedikt XVI. sprach in

Benedikt XVI. sprach in seiner Rede in Brasilien auch davon, dass der “Glaube uns aus der Isolation des ICH befreit”, indem er uns zur “Gemeinschaft drängt”.Gibt es für diesen Gedanken eine erfüllendere Konkretisierung als die, die man in Erfahrung bringen kann, wenn man den angegebenen Links in obigen Artikel folgt? Der konkrete Weg, auf den man dabei stößt, auf dem “das ICH aus der Isolation zur Gemeinschaft drängt”, ist die dreistufige Volksgesetzgebung. Sie befähigt als Erkenntnis- und Gemeinschaftsprozess das “individuelle ICH” sich in seinem Denken, Fühlen und schlussendlich in seinem Wollen mit der ganzen Gemeinschaft zu verbinden, damit das “soziale ICH” (der Gemeinwille) sich für die notwendige Umkehr hin zur Alternative eines “dritten Weges” bilde.Wäre dies nicht im wahrsten Sinne des Wortes “Glaube”? Der Glaube an das durch Christus verkündete kommende Reich Gottes, als ein Reich der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit; der Glaube an eine und für eine “Welt nach dem Maß des Menschen”? Es wäre dies ein tätiger Glaube an die wohl durch das christliche Mysterium ermöglichte, aber durch die Menschheit selbst hereinzubringende und zu verwirklichende Zukunft.  

 

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