Zivilgesellschaft 2.0
Am kommenden Wochenende findet unter dem Motto: “Aufbruch zu neuer Gemeinsamkeit” in Wien die 2. Konferenz Zivilgesellschaft statt. Sie wird von der im letzten halben Jahr gegründeten Initiative Zivilgesellschaft veranstaltet, welche es sich zum Ziel gesetzt hat, für ihre Mitglieder (zivilgesellschaftliche Organisationen, Unternehmen, Initiativen und Projekte) sowie für die interessierte Öffentlichkeit künftig zwei mal jährlich solche Konferenzen zu organisieren.
Es geht darum, die Zusammenarbeit der in der Initiative verbundenen Akteure unter dem leitenden Gedanken der “Einheit in der Vielfalt” zu stärken. Der pluralistische Grundcharakter der Zivilgesellschaft soll, bei aller Notwendigkeit eine starke Einheit zu bilden, nicht verloren gehen.
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1. Für Nicht-Regierungs-Organisationen und andere zivilgesellschaftliche Kräfte besteht je nach Größe und Unterstützung mehr oder weniger deutlich das Problem, mit ihren Initiativen und Projekten ein so großes “politisches Gewicht” zu erlangen, dass das jeweils Geforderte in die Gesetzgebungen eines Landes oder auch darüber hinaus z.B. auf der Ebene der Europäischen Union in die politischen Entscheidungsprozesse einfließt. Fast immer ist ein – durch die Massenmedien bisher in der Regel nicht unterstützter – lange dauernder Prozess der Information und Aufklärung nötig, bis dann wenigstens einzelne Elemente oft nur halbherzig aufgegriffen werden. Von einem umfassenden “Paradigmenwechsel” kann nicht die Rede sein.
Um dieser Problematik zu begegnen, gab es in den letzten Jahren vielfältige Versuche der Zusammenarbeit und Vernetzung zivilgesellschaftlicher Aktivitäten. Immer wieder konnte man in diesen Bestrebungen der Schwierigkeit begegnen, dass die Vielfalt des Engagements und der Aktivitäten in der zivilgesellschaftlichen Realität die Herausbildung einer Einheit erschwert; ja, diese Einheit oft gar nicht angestrebt wird, weil man befürchtet, dass dabei die Vielfalt und mit ihr die eigene Identität verloren gehen könnte.
Gleichwohl stellt sich aber – will man politische Durchsetzungskraft erzeugen – unabdingbar die geistig-organisatorische Aufgabe, eine so starke Einheit in der Vielfalt [EVI-Prinzip] zustande zu bringen, dass für ein jeweiliges Ziel – z.B. für eine »europäische Verfassung von unten« oder für die »Energiewende« und das »Grundeinkommen in Österreich«, um drei Stichworte aus den Themen der Konferenz zu nennen – das nötige »politische Kapital« [die mehrheitliche Zustimmung - siehe dazu www.volksgesetzgebung-jetzt.at und www.volksgesetzgebung-jetzt.de] gebildet wird.
Die Initiative Zivilgesellschaft will den Versuch machen, sich dieser Aufgabe zu stellen.
2. Eine Notwendigkeit zur Bildung einer starken Einheit in der Vielfalt ist dabei die gegenseitige Wahrnehmung der jeweiligen Inhalte und Gedanken, um sich mit ihnen ins Verhältnis setzen zu können. Und dies nicht nur im engeren Umfeld, sondern - da es sich bei immer mehr zivilgesellschaftlichen Arbeitsfeldern um europäische oder sogar globale, gesamtmenschheitliche Angelegenheiten handelt - so umfassend wie möglich. Seit es das WorldWideWeb gibt, steht dem im Prinzip nichts mehr im Wege und es liegt nur noch an jedem Einzelnen selbst, die verschiedenen Inhalte aufzusuchen und gewissenhaft zu prüfen [siehe auch, was Wilfried Heidt und ich dazu im EuroVisionBlog publiziert haben: Die 3 Farben des 1. Mai: Eine frohe Botschaft zum »Tag der Arbeit« 2007].
Ist dieser Anspruch utopisch? Wie soll man alles, was zu einem bestimmten Thema gehört, was Antworten auf die ökologischen und sozialen Probleme verspricht, auffinden, lesen und prüfen? - Die Antwort ist: Es war noch nie so einfach wie heute! - “Nie war es so einfach, im Web Leute mit den gleichen oder ähnlichen Ideen, Interessen, Plänen, Wertvorstellungen zu entdecken und kennenzulernen”, schreibt etwa Günther W. Kienitz in seinem Buch Web 2.0 - Der ultimative Guide für die neue Generation Internet und spricht damit die Möglichkeiten an, welche die Technologien der 2. Internetgeneration bieten: Communities, Wikis, Social Tagging und Social Bookmarks, Networks und vor allem auch Blogs !
All diese Dinge werden ausgiebigst genutzt und täglich von Millionen Menschen bedient, doch ein Vergleich zeigt, wo hier noch jener Mangel liegt, auf den ich aufmerksam machen will: Suche ich etwa in der Echtzeit-Blog-Suchmaschine Technorati den Namen “Paris Hilton”, bekomme ich über 70 in den letzten 24 Stunden erschiene Blogeinträge - und das nur in den deutschsprachigen Weblogs. Versuche ich es mit dem Begriff “Grundeinkommen” oder “EU-Verfassung”, dann sind es bei einem eben durchgeführten Versuch gerade mal vier Einträge. - Was betrifft uns mehr und bedarf mehr unserer gemeinsamen Zuwendung?
Liest man dann diese wenigen Beiträge, so stellt man fest, dass relativ wenig Kommentare abgegeben werden und die Blogs auch nur selten aufeinander Bezug nehmen, obwohl doch gerade die Möglichkeiten, die Blogs in dieser Hinsicht bieten (z.B. Feeds und Trackbacks) wie eigens für die zivilgesellschaftliche Arbeit erfunden zu sein scheinen!
Richtig angewandt ermöglicht es die Blogtechnik, Mitteilungen in Echtzeit an Menschen mit gleichen Interessen zu bringen, auch wenn sich diese noch gar nicht kennen. Jeder hat die Möglichkeit über Technorati-Watchlists alles auf seinen Bildschirm zu bekommen, was zu einem Thema in der “Blogosphäre” geschrieben wird und das wenige Augenblicke nachdem es ins Netz gestellt wurde. Man braucht dazu nur z.B. die oben genannten Watchlists in einem Feed-Reader-Programm zu abonnieren: So ist es heute keine Hexerei mehr, sich gegenseitig wahrzunehmen und mit allen Menschen, die guten Willens sind, in Austausch zu treten. Eine solche Kommunikation würde aber als zeitgemäße “Hexenkunst” gewiss ihre gute Wirkung entfalten!
3. Weil ich überzeugt bin, dass wir diese Möglichkeiten nützen sollten, biete ich, in Anlehnung an den Begriff Web 2.0, der alle diese Möglichkeiten des neuen Internets zusammenfasst, bei der genannten Konferenz Zivilgesellschaft einen Workshop mit dem Titel Zivilgesellschaft 2.0 an.
Auch hier auf zapata33.com, wo es um die Zukunft der Revolution geht, soll künftig dem Thema Web 2.0 Raum gegeben werden. Ich freue mich auf Eure Fragen und Anregungen.
Halali!
PS: Der Tag “Zivilgesellschaft 2.0″ findet sich in der Blogosphäre und im Web insgesamt noch so gut wie gar nicht , nur bei lautgeben.de habe ich ihn entdeckt!
Gepostet von Gerhard Schuster am 11. Mai 2007 - 18.02 Uhr. Der Eintrag ist als Blogeintrag abgelegt und mit folgenden Keywords versehen: Veranstaltung, Web 2.0, Zivilgesellschaft, Zivilgesellschaft 2.0. Am Ende der Seite kann ein Kommentar hinterlassen werden. Die Kommentare können per RSS 2.0 - Feed abonniert werden. Um einen Ping von der eigenen Seite zu setzen, hier der Link zur Trackback-URL.
3 Kommentare zu “Zivilgesellschaft 2.0”
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zapata33 | Von dem Ereignis, als Horst Köhler verhext wurde!
30. Juni 2007 | 21:41 Uhr[…] Erst wenn viele, sehr viele Bürgerinnen und Bürger für diese Möglichkeiten wach werden und sich beteiligen, werden wohl auch die etablierten Medien nicht mehr ignorant bleiben und aufhören, Wesentliches ins Abseits zu schieben. Ob das bisherige Verhalten Absicht oder Unvermögen ist, kann man offen lassen. Es sieht aber fast so als, als ob die Sache wie “verhext” wäre, damit nur ja nichts Neues ins Spiel komme, jedenfalls nicht diese Idee, um die seit über 200 Jahren in Europa gekämpft wird. Diesen Eindruck kann man schon haben. Wir werden den “Bann” nur lösen, wenn wir uns selbst einer “Hexenkunst” bedienen, die wir alle mit nur wenigen Klicks aufrufen können. Diese “Kunst” wird sich dann in allen Winkeln der Gesellschaft einnisten, wenn viele sich beteiligen. “Jeder Mensch ein Künstler!” […]
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EuroVisionBlog | Von dem Ereignis, als Horst Köhler verhext wurde!
30. Juni 2007 | 21:41 Uhr[…] Erst wenn viele, sehr viele Bürgerinnen und Bürger für diese Möglichkeiten wach werden und sich beteiligen, werden wohl auch die etablierten Medien nicht mehr ignorant bleiben und aufhören, Wesentliches ins Abseits zu schieben. Ob das bisherige Verhalten Absicht oder Unvermögen ist, kann man offen lassen. Es sieht aber fast so als, als ob die Sache wie “verhext” wäre, damit nur ja nichts Neues ins Spiel komme, jedenfalls nicht diese Idee, um die seit über 200 Jahren in Europa gekämpft wird. Diesen Eindruck kann man schon haben. Wir werden den “Bann” nur lösen, wenn wir uns selbst einer “Hexenkunst” bedienen, die wir alle mit nur wenigen Klicks aufrufen können. Diese “Kunst” wird sich dann in allen Winkeln der Gesellschaft einnisten, wenn viele sich beteiligen. “Jeder Mensch ein Künstler!” […]
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Helmut Schramm
18. Dezember 2008 | 12:00 UhrZum Thema EU-Verfassung finden Sie auf www.webinformation.at und auch auf http://helmut-schramm.blogspot.com/
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