Von der Art ist die Weissagekunst: Sie erkennt aus dem
Offenbaren das Verborgene, aus dem Gegenwärtigen das Zukünftige,
aus dem Toten das Lebendige, und den Sinn des Sinnlosen.

(J. W. Goethe)

Die Diskussion um das Grundeinkommen - ein kurzer Kommentar aus aktuellem Anlass

Die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen geht zwischen Paradiesesverheißung und Verteufelung hin und her.

Die einen haben Vertrauen in den Menschen, dass er auch ohne Zwang und materiellen Anreiz, seinen Platz in der Gesellschaft findet, wo er mit seiner Arbeit zum Wohle der Gemeinschaft beitragen würde.

Andere bezweifeln dies und befürchten "Leistungsverweigerung". Und überhaupt: "ernten ohne zu säen", "essen ohne zu arbeiten", das sei unsozial und unvertretbar.

Wie dem auch immer sei. Ob die Menschen arbeiten würden oder nicht, wenn für ihr Dasein gesorgt wäre? Wir wissen es letztlich nicht, wenn wir es nicht erkunden. Die Erkundung aber wird vielleicht doch nötig werden, wenn wir in der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens eine Lösung finden für die Sicherung der sozialen Zukunft.

Damit diese Erkundung aber nicht in der Sackgasse der vielfachen Befürchtungen landet, ist ein viel umfassenderer Dialog über unsere gesellschaftlichen Verhältnisse nötig, als er bisher geführt wird. Wenn die Menschheit künftig frei und selbstbestimmt ihr Geschick tragen soll - wozu dann ein Einkommen als Grundrecht

selbstverständlich mit dazu gehört -, dann tut Aufklärung in breitestem Sinne Not, Aufklärung und Diskussion.

Von Seiten der etablierten Politik kommt einem hier noch wenig entgegen. Und wenn, dann doch oft polemisch, wie aktuell etwa durch Dirk Niebel, der die Streiter für ein bedingungsloses Grundeinkommen "ganz besondere Gutmenschen" nennt, die "die Welt beglücken" wollen (siehe hier). Man wünschte, der FDP Generalsekretär würde sich an seinem Parteifreund und Vordenker des Liberalismus Ralf Dahrendorf ein Beispiel nehmen, wie dieser vor 23 Jahren mit dieser Frage in seinem Beitrag "Ein garantiertes Mindesteinkommen als konstitutionelles Anrecht" (in: Befreiung von falscher Arbeit - Thesen zum garantierten Mindesteinkommen, Berlin: Wagenbach, 1984, S.131) umging.

Dieser Art von vormundschaftlicher Ignoranz und Gesprächsverweigerung können wir nur begegnen, indem wir selbst den zivilgesellschaftlichen Dialog ausbauen, soweit, dass an diesem Dialog in Gestalt der dreistufigen Volksgesetzgebung alle interessierten teilnehmen können, und dass dann aus der Verständigung der Bürgerinnen und Bürger die Gesetzte als souveräne Taten der Rechtsgemeinschaft beschlossen werden ...

... "und bis dahin", wie dies ein Geburtstagskind des heutigen Tages - Novalis - formulierte, "seid heiter und mutig in den Gefahren der Zeit, Genossen meines Glaubens ..."

Halali!

PS: Im EuroVisionBlog hat Wilfried Heidt auf Dirk Niebel geantwortet.

Die Diskussion um das Grundeinkommen - ein kurzer Kommentar aus aktuellem Anlass